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Wie du den richtigen DJ Plattenspieler auswählst

Selbst im digitalen Zeitalter bleibt das Vinyl auf seiner Vormachtstellung als wichtigstes Medium des DJs. Wenn du es zudem old-school magst und dein schwer verdientes Geld wirklich in zwei Plattenspieler investieren willst, bist du hier richtig:

Die lebende Legende: Der Technics SL-1200MK2

Technics Direktantrieb Plattenspieler SL-1200GAEDie Geschichte professioneller DJ-Turntable nahm im Jahr 1978 ihren Anfang, als eine japanische Firma namens Matsushita (heute Panasonic) die MK2-Version ihres Plattspielers Technics SL-1200 auf den Markt brachte. Der ursprüngliche, sechs Jahre ältere SL-1200 wurde als Hi-Fi-Plattenspieler mit Drehreglern für private Endverbraucher vermarktet.

Noch heute – mehr als 30 Jahre später – stellen der Technics SL-1200MK2 und seine Nachfolger (MK5, MK5G, etc.) den Branchenstandard dar und sind in den meisten Clubs in Betrieb. Die Erfolgsgeheimnisse sind die unglaubliche Verarbeitungsqualität und unübertroffene Zuverlässigkeit dieses Plattenspielers: Zahlreiche 1200er aus den 1970ern sind noch heute in Betrieb. Obwohl Panasonic das Modell schließlich im Jahr 2010 einstellen musste – nach 32-jähriger Produktionszeit –, wird uns der König der Turntables also wohl noch bis ans Ende der Schallplatten begleiten.

Und die Moral von der Geschichte? Wer das Beste vom Besten sucht, holt sich zwei 1200er. Rechne aber lieber mit einem bösen Erwachen, denn nachdem die sogenannten „analogen Plattenspieler“ vom Typ Technics eingestellt wurden, hat sich der Marktpreis praktisch über Nacht verdoppelt: Für zwei original Exemplare wirst du gut und gerne 1000-2500 Euro los. Alter Schwede!

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Worauf es bei einem DJ-Plattenspieler ankommt

Wenn du dir die Technics nicht leisten kannst, ist das auch kein Drama. Und ganz ehrlich, wenn du gerade anfängst, wäre es sowieso eine starke Ansage, erst mal 2500 Euro zu verprassen. Es gibt auch einige andere gute Decks, auch wenn deren Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit es nicht ganz mit den legendären SL-1200MK2ern aufnehmen kann. Aber bevor du dich nach günstigeren Alternativen umsiehst, solltest du dich mit den entscheidenden Merkmalen eines guten DJ Plattenspielers vertraut machen.

Die erste wichtige Sache ist der Antriebsmotor. Bei Plattenspielern mit Direktantrieb liegt der Motor mittig und dem Teller und ist direkt damit verbunden. Das bedeutet mehr Drehmoment und weniger Flattern (d.h. Schwankungen in der Drehgeschwindigkeit), für einen DJ unverzichtbar. Der erste Plattenspieler mit Direktantrieb war der Technics SP-10 von 1970, ein direkter Vorfahre des SL-1200.

Bei Turntables mit Riemenantrieb liegt der Motor nicht mittig zum Plattenteller, sondern ist über einen Gummiriemen damit verbunden. Dementsprechend haben Decks mit Riemenantrieb auch weniger Drehmoment und die Drehgeschwindigkeit unterliegt stärkeren Schwankungen.

Die eine goldene Regel, die du aus diesem Artikel unbedingt mitnehmen solltest, lautet also: Kauf keinen Plattenspieler mit Riemenantrieb! Was auch immer der Hersteller behauptet, die Dinger sind für DJs völlig ungeeignet. Der Hauptgrund dafür ist, dass ein riemengetriebenes Deck keine konstante Drehgeschwindigkeit halten kann. Gerade das ist aber für DJs extrem wichtig, weil sogar kleinste Abweichungen zum Galloping führen können.

Das zweite wichtige Merkmal eines DJ Turntables ist sein Drehmoment. Höheres Drehmoment bedeutet, dass der Teller schneller auf die gewünschte Geschwindigkeit beschleunigt, wenn du auf Start drückst. Er wird auch nicht viel langsamer, wenn du die Platte auf der Slipmat festhältst. Das Drehmoment des SL-1200MK2 beträgt 1,5 kg-cm, und dein Deck sollte mindestens genauso viel haben.

Abgesehen von Antriebsmotor und Drehmoment braucht ein DJ-Plattenspieler auch unbedingt einen Pitch-Regler. Der Regler muss weich verstellbar sein, und der Turntable muss auch schnell auf die Einstellung reagieren.

Übrige Funktionen sind in der Regel allerlei Extras, die an einem Turntable zwar ganz nett zu haben sind, aber nicht so entscheidend. Hier eine kleine Auswahl:

  • Digitaler Ausgang (S/PDIF, USB). Der Turntable kann ein digitales Audiosignal an einen Computer oder anderes Gerät mit digitalem Eingang senden.
  • Verstellbarer Tonumfang. Hiermit kann die Breite des Tonhöhenreglers umgestellt werden, z.B. von +/-8% auf +/-16% oder sogar +/-100%. Hauptsächlich zum Scratchen nützlich.
  • Mastertempo. Über digitale Signalverarbeitung wird die ursprüngliche Tonlage des Tracks gehalten, während mit dem Tonhöhenregler das Tempo gesteuert wird.
  • Reverse. Damit rotiert der Plattenteller rückwärts. Wenn du nicht gerade scratchst, wirst du damit vielleicht ein paar Mal mit der Funktion herumspielen und sie dann nie wieder verwenden.
  • Verstellbares Drehmoment, BPM-Zähler, auswechselbarer Tonarm, etc.

Vestax: Fast so gut wie Technics

Vestax-Turntables waren wohl die größten Rivalen der 1200er. Da Vestax Pleite ist, werden diese nicht mehr produziert, sondern sind nur noch gebraucht erhältlich. Sie waren zwar nicht so alteingesessen wie die „Wheels of Steel“, aber unter Turntablism-DJs genossen sie ein hohes Ansehen für ihre Verarbeitungsqualität und Features.

Die PDX-Reihe von Vestax richtete sich besonders an Scratche DJ´s, da ihre spezielle Tonarm-Technik das Hüpfen drastisch reduziert und einige Spielereien dabei sind, wie etwa eine Reverse-Funktion, verstellbare Pausen- und Startzeiten und verstellbarer Tonumfang bis zu +/-50% oder mehr. Diese Decks sind zwar etwas billiger, aber mit 450 bis 700 Euro pro Stück auch nicht gerade für Wechselgeld zu haben.

Unterm Strich waren die Vestax PDX aber ausgezeichnete Turntables. Wenn dir die Features und der niedrigere Preis wichtiger sind als die Zuverlässigkeit und der Legendenstatus der 1200er, wärst du bei gebrauchten Vestax Plattenspieler an der richtigen Adresse. Bei Amazon oder eBay findest du immer mal wieder gebrauchte Vestax PDX Plattenspieler.

Kostengünstigere Turntables: Stanton, Numark, Gemini, Audio Technica

Solche wirst du zwar nicht im Club sehen, aber Decks von Numark, Audio Technica, Stanton und Gemini taugen als Einstiegsmodelle ins DJing mit Vinyl, ohne dich gleich bettelarm zu machen. Für rund 250 Euro kriegst du einen brauchbaren Plattenspieler mit Direktantrieb und genug Drehmoment und Features, um damit zu üben. Für 350 bis 450 Euro kannst du dir Spitzenmodelle wie den Numark TTX-USB oder Stanton STR8.150 leisten.

Das Problem an diesen günstigeren Decks ist aber, dass sie mit den robusten und wohlerprobten Technics nicht annähernd mithalten können. Sie sind aus billigerem Material gebaut und machen immer wieder mal Probleme. Außerdem sind sie schwerer zu verkaufen, wenn deine Ansprüche steigen oder dein Interesse schwindet. Wenn du also rund 350 Euro oder etwas mehr pro Deck ausgeben kannst, solltest du eher gebrauchte 1200er in Erwägung ziehen.

Versteh mich nicht falsch: Turntables von Gemini, Numark oder Stanton reichen wirklich aus, um die Grundlagen des DJings mit Plattenspielern zu lernen. Meine erste Ausstattung waren eben zwei riemenangetrieben Conrad Plattenspieler, hatten einige Haken, an die man sich sehr gewöhnen musste, zum Beispiel ein billiges Gehäuse und unvorhersehbare Geschwindigkeitsschwankungen bei bestimmten Tonreglerstellungen. Das war der Horror! Als ich dann meine ersten Technics Plattenspieler hatten waren das Welten Unterschied.

Am Ende kriegst du eben das, wofür du bezahlst. Aber wenn du knapp bei Kasse bist, könnte ein Billig-Turntable doch die bessere Wahl sein. Meine persönliche Empfehlung, spare lieber etwas länger und hol dir was fettes.

Hier findest du eine Übersicht der besten DJ Plattenspieler die mit Technics mit halten können.



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